Digitaler Produktpass: Pflicht, Chance oder Wettbewerbsvorteil?

18.02.2026

Digitaler Produktpass: Pflicht, Chance oder Wettbewerbsvorteil?

Die Anforderungen an Produkte verändern sich rasant. Kundinnen und Kunden, Gesetzgeber und Investoren verlangen zunehmend Transparenz: Woher stammen die Materialien? Unter welchen Bedingungen wurde produziert? Wie nachhaltig ist das Produkt und wie lässt es sich reparieren oder recyceln?

Eine zentrale Antwort auf diese Fragen ist der Digitale Produktpass (DPP).

Was ist der digitale Produktpass?

Der Digitale Produktpass (DPP) ist ein digitaler Datensatz, der alle relevanten Informationen zu einem physischen Produkt entlang seines gesamten Lebenszyklus bündelt von der Herstellung über die Nutzung bis hin zur Entsorgung. Die Einführung des DPP ist in einer EU-Verordnung geregelt und erfolgt schrittweise für festgelegte Produktgruppen, sofern diese in der EU in Verkehr gebracht werden.

Wesentliche Ziele des DPP

  • Förderung der Kreislaufwirtschaft durch bessere Rückverfolgbarkeit und Reparierbarkeit
  • Verbraucherinformation über Nachhaltigkeit und Produktherkunft
  • Rechtssicherheit und Sorgfaltspflichten entlang der Lieferkette

Inhalte des DPP

Der geforderte Inhalt unterscheidet sich je nach Produktgruppe und wird im entsprechenden delegierten Rechtsakt von der EU definiert.

Mögliche Inhalte sind: Materialzusammensetzung, CO2-Fußabdruck, Informationen zur Recyclingfähigkeit & Reparierbarkeit.
Außerdem wird je Produktgruppe ein Carrier festgeschrieben, über welchen der DPP zugänglich sein soll (z.B. QR-Code).

Verantwortlichkeit

Der Inverkehrbringer des Produkts, welches der DPP-Pflicht unterliegt, ist für die Einhaltung der gesetzlichen Vorgaben zum DPP verantwortlich. Bei Nichteinhaltung drohen Bußgelder.

Produktgruppen

Der Digitale Produktpass wird schrittweise für verschiedene Produktgruppen eingeführt. Aktuell ist nur für Batterien > 2 kWh eine verpflichtende Einführung ab dem 18. Februar 2027 beschlossen.
Für weitere Produktgruppen stehen die genauen Inhalte noch aus. Diese werden in den nächsten Jahren nach und nach definiert. Geplant ist der DPP aktuell für:

  • Eisen & Stahl (ab 2027)
  • Textilien, Kleidung und Schuhe (ab 2028)
  • Aluminium (ab 2028)
  • Reifen (ab 2028)
  • Möbel (ab 2029)
  • Matratzen (ab 2030)

Sobald die Anforderungen (delegierter Rechtsakt) für eine Produktgruppe beschlossen wurden, besteht für Unternehmen eine Umsetzungsfrist von 18 Monaten. Weitere Produktgruppen folgen voraussichtlich ab 2030.

Campus Schwarzwald & DPP

Wir möchten die Einführung des Digitalen Produktpasses in der Region Nordschwarzwald aktiv begleiten und vorantreiben.

  • Aufbau von Use Cases und prototypischen Lösungen
  • Unterstützung unserer Industriepartner bei der Umsetzung des DPP
  • Transparenz schaffen über Anforderungen, Datenlücken, technische Hürden
    und Lösungswege
  • Erarbeitung gezielter Empfehlungen und Impulse

Unser Use Case: Das nachhaltige Mühlespiel

Im Production Lab des Campus Schwarzwald stellen wir eine konkrete Demonstration eines DPP-Use-Cases aus. Mit unserem HOMAG-CNC-Bearbeitungszentrum und unserer ARBURG-Spritzgussmaschine wurden Mühlespiele produziert. Für diese Produkte wurde ein exemplarischer Digitaler Produktpass erstellt.

Datenerhebung

Während der Fertigung wurden Energiedaten der Maschine aufgezeichnet und an unsere IoT-Cloud übertragen. Diese Daten bilden die Grundlage für weiterführende Berechnungen wie der Ermittlung eines produktbezogenen CO₂-Fußabdrucks.

Damit zeigen wir praxisnah:

  • Wie Maschinendaten erfasst werden
  • Wie diese strukturiert gespeichert werden
  • Wie daraus produktbezogene Nachhaltigkeitskennzahlen entstehen

Technische Basis: Asset Administration Shell (AAS)

Als Grundlage des Produktpasses dient wie in vielen Bereichen der Industrie 4.0 die Asset Administration Shell (AAS).

Kurz erklärt:
Die Asset Administration Shell ist die standardisierte digitale Repräsentanz eines physischen Assets (z. B. eines Produkts oder einer Maschine). Sie strukturiert alle relevanten Informationen in sogenannten Submodellen und ermöglicht eine interoperable, maschinenlesbare Bereitstellung von Daten.

Die AAS wird eingesetzt, um:

  • Produkte digital eindeutig zu identifizieren
  • Daten standardisiert zu strukturieren
  • Interoperabilität zwischen Systemen zu ermöglichen
  • Digitale Zwillinge umzusetzen

Visualisierung im Frontend

Die AAS-Daten werden anschließend in einem Frontend visualisiert und für den Nutzer ansprechend aufbereitet. So wird deutlich:

Der Digitale Produktpass ist nicht nur eine regulatorische Pflicht, sondern kann auch als Informations- und Mehrwertplattform für unterschiedliche Zielgruppen dienen.

Live erleben am Campus Schwarzwald

Der demonstrierte Use Case kann im Rahmen eines Besuchs am Campus Schwarzwald besichtigt werden. Interessierte Unternehmen erhalten dabei Einblicke in:

  • Technische Architektur
  • Datenflüsse vom Shopfloor in die Cloud
  • Strukturierung im Rahmen der AAS
  • Praktische Herausforderungen und Lösungsansätze