China-Reise bestätigt Kurs des Campus Schwarzwald

31.07.2026

China-Reise bestätigt Kurs des Campus Schwarzwald

Vom 6. bis 10. Juli 2026 war der Campus Schwarzwald Teil einer 40-köpfigen Delegation des Landes Baden-Württemberg nach China. In Hangzhou, Suzhou und Shanghai besuchte die Delegation insgesamt 18 Unternehmen und Einrichtungen aus den Bereichen humanoide und mobile Robotik, Embodied AI, Schlüsselkomponenten und industrielle Automatisierung.

Zu den Stationen gehörten unter anderem Unitree, Agibot und Deep Robotics als Anbieter von Robotikplattformen, HIKROBOT, Inovance und PIA Automation mit Schwerpunkten in mobiler Robotik, Machine Vision und Automatisierung sowie Leaderdrive, Seenpin, Kinco und OY Motion als Hersteller zentraler Komponenten. Ergänzt wurden die Unternehmensbesuche durch Einblicke in KI-Plattformen, Forschung und Transferinfrastrukturen.

Die wichtigste Erkenntnis der Reise: Chinas Stärke liegt nicht allein im viel zitierten „China-Speed“. Entscheidend ist das Ökosystem. Robotikhersteller, Komponentenanbieter, Softwareunternehmen, Forschung, Fertigungspartner, Kapitalgeber und Anwender arbeiten eng zusammen. Neue Systeme können dadurch schnell aufgebaut, getestet, verbessert und in erste Anwendungen gebracht werden.

Dabei zeigte sich auch, dass nicht jede Technologie bereits industriell ausgereift ist. Gerade bei humanoiden Robotern besteht weiterhin ein deutlicher Abstand zwischen einer überzeugenden Demonstration und einem dauerhaft robusten, sicheren und wirtschaftlichen Einsatz. China begegnet dieser Lücke jedoch mit kurzen Entwicklungszyklen, realen Testfeldern und einem pragmatischen Umgang mit noch ungelösten Problemen.

Für Baden-Württemberg und die ansässigen Unternehmen kann die Aufgabe nicht darin bestehen, das chinesische Kosten- und Volumenmodell zu kopieren. Die eigenen Stärken liegen im Maschinenbau, im Prozessverständnis, in funktionaler Sicherheit, Normung, Qualität und industrieller Integration. Diese Kompetenzen müssen jedoch schneller in skalierbare Produkte, Plattformen und konkrete Anwendungen übersetzt werden.

Unser eingeschlagener Weg ist richtig – und dringlicher als gedacht

Für den Campus Schwarzwald war die Reise deshalb keine Aufforderung zu einem grundsätzlichen Kurswechsel. Im Gegenteil: Sie hat bestätigt, dass wir mit unseren bisherigen Initiativen an den richtigen Punkten ansetzen. Gleichzeitig wurde deutlich, dass wir schneller und konsequenter handeln müssen. Vier Vorhaben bilden dabei die zentralen Bausteine unseres Ansatzes:

Robotop Campus Schwarzwald: Im Humanoid Robotics Lab werden gemeinsam mit Industrie- und Forschungspartnern reale Use Cases untersucht, erprobt und bis zur Pilotierung begleitet. Im Vordergrund stehen belastbare industrielle Anwendungen statt reiner Demonstrationen.

Robo-Hub ProLog: Gemeinsam mit Fraunhofer IPA, Universität Stuttgart, ARENA2036, KIT und IPAI wirkt der Campus Schwarzwald an der Konzeption eines Robo-Hubs für Produktion und Logistik mit. Das Vorhaben entsteht im Rahmen der BMFTR-Maßnahme „Innovationslabore für KI-basierte Robotik“ des Bundesministeriums für Forschung, Technologie und Raumfahrt und soll die Transferlücke zwischen Forschung, Prototyp und skalierbarer Anwendung schließen.  

Wertschöpfungsatlas Robotik BW 2035: Im Auftrag des Ministeriums für Wirtschaft, Arbeit und Tourismus Baden-Württemberg untersucht der Campus, wo das Land bereits über relevante Robotikkompetenzen verfügt und wo strategische Lücken oder Abhängigkeiten bestehen. Daraus werden priorisierte Handlungsfelder für Unternehmen, Politik und Transfer abgeleitet.

RoboticLänd: Die vom Campus Schwarzwald angestoßene und vorgeschlagene Landesinitiative wird bereits von 40 Unterzeichnenden und Unterstützenden getragen. Sie verbindet Qualifizierung, Technologietransfer und offene Robotik- und KI-Plattformen, um Mittelstand und Handwerk von der ersten Befähigung bis zur skalierbaren Anwendung zu begleiten.

Die Reise hat damit keinen neuen Kurs vorgegeben. Sie hat vielmehr bestätigt, dass die eingeschlagene Richtung stimmt – und dass der Aufbau eines gemeinsamen, schnell handlungsfähigen Robotikökosystems für Baden-Württemberg noch dringlicher ist, als wir zuvor angenommen hatten.